Freelancer-Stundensatz 2026: Was Auftraggeber zahlen
Kurz gesagt
Ein Freelancer kostet in Deutschland 2026 im Schnitt 103 Euro netto pro Stunde, laut Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap. Die Spanne nach Fachgebiet reicht von 89 Euro für Design und Medien bis 121 Euro für Beratung und Management. Für Software- und Webentwicklung liegt der Mittelwert bei 91 Euro.
Zum ersten Mal seit es den Freelancer-Kompass gibt, ist der durchschnittliche Stundensatz gesunken. Von 104 auf 103 Euro. Ein Euro klingt nach nichts, aber er zeigt, wie sich der Markt gedreht hat: Projekte werden verschoben, Freelancer konkurrieren um weniger Aufträge, und Auftraggeber haben 2026 mehr Verhandlungsspielraum als in den Jahren davor.
Für dich als Auftraggeber ist der Durchschnitt allerdings nur bedingt brauchbar. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Fachgebiet liegen 32 Euro pro Stunde. Wer einen Designer sucht, kalkuliert anders als jemand, der einen SAP-Berater braucht.
Was kostet ein Freelancer pro Stunde?
Die verlässlichste Zahl für den deutschsprachigen Markt liefert der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap. Befragt wurden rund 5.400 Selbstständige zwischen dem 17. November 2025 und dem 8. Februar 2026, ergänzt um anonymisierte Plattformdaten. Für Deutschland ergibt das einen Mittelwert von 103 Euro netto, für Österreich 101 Euro, für die Schweiz 133 Euro.
Quelle: freelancermap, Freelancer-Kompass 2026
Auffällig ist die Software-Entwicklung. Sie stellt mit 29 Prozent die größte Gruppe unter den Befragten, liegt beim Satz aber unter dem Schnitt. Das passt zu einer zweiten Auswertung aus derselben Erhebung: Nach Branche des Auftraggebers zahlen Banken und Versicherungen mit je 107 Euro am meisten, IT- und Softwarefirmen mit 95 Euro am wenigsten. Wer selbst aus der Softwarebranche kommt, kennt die Preise und drückt sie.
Bei der Rolle im Projekt zeigt sich dasselbe Muster. Freelancer, die Impulse geben oder Projekte steuern, rechnen 105 bis 106 Euro ab. Für reine Umsetzung sind es 96 Euro.
Warum 100 Euro pro Stunde kein Wucher sind
Der Reflex ist verständlich. Ein angestellter Entwickler kostet vielleicht 70.000 Euro brutto im Jahr, das sind keine 40 Euro pro Stunde. Der Vergleich hinkt aber an zwei Stellen.
Erstens kostet ein Angestellter mehr als sein Bruttogehalt. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Arbeitskosten je tatsächlich geleisteter Stunde in der deutschen Privatwirtschaft 2025 bei 45 Euro, im Durchschnitt aller Branchen und Qualifikationen. Je nach Branche weicht der Wert stark ab.
Zweitens rechnet ein Freelancer nicht jede Arbeitsstunde ab. Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung und Leerlauf zwischen Projekten bezahlt niemand. Eine einfache Beispielrechnung zeigt, was übrig bleibt:
- 52 Wochen à 40 Stunden
- 2.080 h
- minus 6 Wochen Urlaub und Feiertage
- – 240 h
- minus 2 Wochen Krankheit
- – 80 h
- minus 25 % Akquise, Verwaltung, Weiterbildung
- – 440 h
- Abrechenbare Stunden
- 1.320 h
Eigene Beispielannahmen, keine Erhebungsdaten. Akquise- und Verwaltungsanteil schwankt stark.
Bei 103 Euro und 1.320 Stunden kommt ein Umsatz von knapp 136.000 Euro zusammen. Davon gehen Kranken- und Rentenversicherung komplett aus eigener Tasche ab, dazu Hardware, Software, Versicherungen und Steuern. Der Freelancer-Kompass beziffert das durchschnittliche Einkommen aus Projektarbeit auf 6.653 Euro im Monat, laut Studienheft nach Abzug von Steuern und Pflichtabgaben. Das ist ordentlich, aber kein Grund für Neid.
Für dich zählt eine andere Rechnung: Du zahlst nur die Stunden, die das Projekt braucht. Kein Einarbeitungsjahr, keine Kündigungsfrist, kein Leerlauf im Sommerloch.
Stundensatz, Tagessatz oder Festpreis?
41 Prozent der Befragten rechnen nach Stunden ab, 14 Prozent nach Tagessätzen, 12 Prozent mit Pauschalpreisen pro Projekt. Fast ein Viertel nutzt Mischmodelle, etwa Stundensatz plus Bonus. Retainer, also feste Monatspauschalen, sind mit 4 Prozent selten.
| Modell | Passt gut, wenn … | Risiko für dich |
|---|---|---|
| Stundensatz | der Umfang noch offen ist oder sich oft ändert | Kosten laufen davon, wenn niemand die Stunden prüft |
| Tagessatz | jemand mehrere Wochen fest im Projekt sitzt | Unklar, ob ein Tag 8 oder 10 Stunden hat |
| Festpreis | Ergebnis und Abnahmekriterien schriftlich feststehen | Freelancer kalkuliert Puffer ein, Änderungen kosten extra |
| Retainer | laufende Betreuung mit planbarem Volumen | Ungenutzte Stunden verfallen oft |
Unsere Einschätzung: Für die ersten Wochen mit einem neuen Freelancer ist ein Stundensatz mit Obergrenze pro Monat meist die fairste Lösung. Ein Festpreis setzt voraus, dass du genau weißt, was du willst. Das ist am Anfang selten der Fall, und dann rächt sich jede vage Formulierung in der Projektbeschreibung.
Was den Satz nach oben oder unten treibt
Neben dem Fachgebiet machen ein paar Faktoren einen messbaren Unterschied. Hauptberufliche Freelancer liegen laut Kompass bei 103 Euro, nebenberufliche bei 97 Euro. Selbstständige mit eigenen Angestellten verlangen im Schnitt 120 Euro, weil sie Teamkapazität mitverkaufen.
Männer rechnen im Schnitt 104 Euro ab, Frauen 100 Euro. Ein Teil der Lücke erklärt sich durch die Fachgebiete: Bei Frauen stehen Marketing sowie Design und Medien unter den drei häufigsten Feldern, bei Männern Software-Entwicklung und IT-Infrastruktur.
Für die Verhandlung wichtiger ist die Stimmung im Markt. 62 Prozent der Befragten wollen ihren Satz 2026 nicht ändern, 29 Prozent planen eine Erhöhung, 9 Prozent eine Senkung. Von denen, die senken, nennen 61 Prozent eine Auftragsflaute als Grund. Das heißt nicht, dass jeder Freelancer gerade billiger zu haben ist. Die Gefragten sind ausgebucht und erhöhen trotzdem.
Verhandeln, ohne den Falschen zu bekommen
Der billigste Freelancer ist selten der günstigste. Ein Entwickler für 70 Euro, der doppelt so lange braucht wie einer für 110 Euro, kostet dich mehr. Bevor du über den Preis redest, solltest du deshalb wissen, wie gut jemand ist. Wie das geht, steht in unserem Leitfaden, wie man einen Freelancer bewerten kann, und eine bezahlte Probeaufgabe liefert dafür die härtesten Daten.
Verhandeln lässt sich vor allem über die Rahmenbedingungen:
- Feste Wochenstunden über mehrere Monate geben dem Freelancer Planungssicherheit. Dafür ist ein Nachlass eine faire Bitte, über deren Höhe ihr offen reden solltet.
- Schnelle Zahlung, etwa 7 statt 30 Tage, ist für viele Selbstständige mehr wert als ein höherer Satz.
- Remote-Arbeit spart Fahrzeit, die sonst entweder berechnet oder im Satz versteckt wird.
- Ein klarer Ansprechpartner mit Entscheidungsbefugnis reduziert Abstimmungsstunden, die du sonst mitbezahlst.
Ein Punkt wird gern übersehen: Ein auffällig niedriger Satz kann bei der Frage nach Scheinselbstständigkeit gegen dich arbeiten. Das Bundessozialgericht hat die Honorarhöhe als gewichtiges Indiz eingeordnet. Liegt sie deutlich über dem Gehalt eines vergleichbaren Angestellten, spricht das für echte Selbstständigkeit. Allein entscheidet sie aber nichts.
Wann ein einzelner Freelancer zu teuer wird
Ab einer gewissen Projektgröße kippt die Rechnung. Wenn du drei Freelancer koordinieren musst, die sich gegenseitig nicht kennen, zahlst du die Abstimmung doppelt: einmal in deren Stunden und einmal in deiner eigenen Zeit. Für Webanwendungen, die über Monate wachsen, kann ein eingespieltes Team günstiger sein, etwa bei einem Studio wie OnlineBuilders, das Entwicklung und Betrieb aus einer Hand übernimmt. Die Abwägung im Detail findest du im Vergleich Freelancer oder Agentur.
Dein nächster Schritt: Schreib dir vor dem ersten Gespräch ein Budget pro Monat auf, nicht pro Stunde. Teile es durch den Satz des Fachgebiets aus der Grafik oben. Die Zahl, die herauskommt, ist die Stundenmenge, die du realistisch einkaufen kannst. Passt sie nicht zum Vorhaben, musst du den Umfang kürzen, nicht den Freelancer drücken.
Häufige Fragen
Ist der Stundensatz eines Freelancers netto oder brutto?
Im B2B-Geschäft sind Stundensätze fast immer Nettobeträge. Auf die Rechnung kommen 19 Prozent Umsatzsteuer, sofern der Freelancer nicht die Kleinunternehmerregelung nutzt. Als vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen holst du dir die Umsatzsteuer zurück.
Was ist ein üblicher Tagessatz für Freelancer?
Der Tagessatz entspricht meist acht Stunden zum Stundensatz, oft mit kleinem Abschlag. Bei 103 Euro pro Stunde landest du also grob bei 750 bis 820 Euro pro Tag. Wichtig ist, im Vertrag festzuhalten, wie viele Stunden ein Tag umfasst.
Warum sind Freelancer teurer als Angestellte?
Sind sie pro Stunde, nicht unbedingt pro Projekt. Im Stundensatz stecken Sozialversicherung, Urlaub, Krankheit, Ausstattung und die Zeit für Akquise, die niemand bezahlt. Dafür zahlst du nur die Stunden, die du tatsächlich brauchst.
Darf ich einen Freelancer nach seinem Stundensatz aus dem letzten Projekt fragen?
Fragen darfst du, eine Antwort bekommst du selten. Ergiebiger ist die Frage, wie sich der angebotene Satz zusammensetzt und ob es Rabatt bei längerer Laufzeit oder fester Wochenstundenzahl gibt.