Probeaufgabe für Freelancer: Umfang, Preis, Rechte

Redaktion Freelancerbewertung Aktualisiert 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Eine Probeaufgabe für Freelancer ist eine kleine, echte Aufgabe von etwa zwei bis sechs Stunden, die du zum normalen Stundensatz bezahlst. Sie zeigt Arbeitsweise und Qualität besser als jedes Portfolio. Vereinbare vorher schriftlich Umfang, Vergütung, Abgabeformat und Nutzungsrechte, und gib sie nur an die zwei oder drei besten Kandidaten.

Hände ziehen mit Lineal und Stift eine Linie auf einem Spiralblock am Holztisch
Foto: Tamarcus Brown tamarcusbrown, CC0, via Wikimedia Commons

Freelancer, die gut ausgelastet sind, lehnen unbezahlte Testaufgaben oft ab. Wer Zeit dafür hat, hat sie manchmal aus einem Grund. Damit sortiert eine unbezahlte Probeaufgabe genau die Kandidaten aus, die du eigentlich willst. Das ist das stärkste Argument für eine bezahlte, und es ist ein wirtschaftliches, kein moralisches.

Gleichzeitig ist eine Probeaufgabe das beste Prüfwerkzeug, das du hast. Portfolio und Referenzen zeigen die Vergangenheit. Eine Probeaufgabe zeigt, wie jemand mit deinem Material, deinen Unklarheiten und deinem Zeitrahmen umgeht.

Muss eine Probeaufgabe bezahlt werden?

Eine pauschale gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Das BGB setzt aber eine klare Grundregel. Nach § 632 Abs. 1 BGB gilt beim Werkvertrag eine Vergütung als stillschweigend vereinbart, wenn die Herstellung des Werkes den Umständen nach nur gegen Vergütung zu erwarten ist. Ist die Höhe offen, gilt nach Absatz 2 die übliche Vergütung. Für Dienstleistungen enthält § 612 BGB eine entsprechende Regel.

Daraus folgt in der Praxis: Wer ausdrücklich und schriftlich eine unentgeltliche Probe vereinbart, schuldet in der Regel nichts. Wer dagegen ohne Absprache eine verwertbare Arbeit anfordert, etwa ein fertiges Logo oder ein lauffähiges Feature, riskiert eine Rechnung über den üblichen Satz. Ein Angebot oder Kostenvoranschlag ist dagegen nach § 632 Abs. 3 BGB im Zweifel nicht zu vergüten.

Wie ein Gericht einen konkreten Fall sieht, hängt von den Umständen ab. Unsere Empfehlung umgeht die Frage komplett: Zahl die Probeaufgabe, vereinbare den Preis vorher und lass ihn dir per E-Mail bestätigen.

Was eine bezahlte Probeaufgabe kostet und was sie spart

Die Kosten sind überschaubar, gemessen an dem, was eine Fehlbesetzung anrichtet. Eine einfache Gegenüberstellung mit dem durchschnittlichen Satz für Software- und Webentwicklung von 91 Euro laut Freelancer-Kompass 2026:

Beispiel: Probeaufgabe gegen Fehlbesetzung
Probeaufgabe: 2 Kandidaten × 4 Stunden × 91 €
728 €
Fehlbesetzung: 3 Wochen × 25 Stunden × 91 €
6.825 €
Differenz zugunsten der Probeaufgabe
6.097 €

Eigene Beispielrechnung mit 91 € netto pro Stunde. Die Kosten einer Fehlbesetzung sind bewusst niedrig angesetzt, ohne Verzögerung und Nacharbeit.

Die Rechnung unterschlägt sogar das Wichtigste: die verlorene Zeit bis zum Neustart. Was in deinem Fachgebiet üblich ist, zeigt die Übersicht zum Freelancer-Stundensatz.

Wie groß darf die Aufgabe sein?

Zwei bis sechs Stunden sind ein guter Rahmen. Darunter siehst du kaum mehr als bei einem Gespräch. Darüber wird aus der Probe ein kleines Projekt, und dann solltest du es auch so nennen und als erste Etappe beauftragen.

Die Aufgabe sollte echt sein, aber nicht kritisch. Ein abgeschlossenes Teilstück aus deinem Projekt eignet sich besser als eine ausgedachte Übung, weil du das Ergebnis mit deinem eigenen Maßstab vergleichen kannst.

Wie viele Kandidaten bekommen die Aufgabe? Zwei, höchstens drei. Wer sie an zehn Bewerber verschickt, hat danach zehn Ergebnisse zu prüfen und zahlt für acht, die er ohnehin nicht nimmt. Die Vorauswahl gehört davor, über Portfolio und ein kurzes Gespräch. Die Probeaufgabe ist der letzte Filter, nicht der erste.

FachgebietGute ProbeaufgabeEher ungeeignet
Backend-EntwicklungEinen dokumentierten Bug in einer Kopie des Repositorys beheben, mit TestAlgorithmus-Rätsel ohne Bezug zum Projekt
FrontendEine Komponente aus dem bestehenden Designsystem umsetzenKomplette Landingpage
DesignEine Unterseite im vorhandenen Stil, plus zwei VariantenNeues Logo „zum Ausprobieren“
Text, SEOGliederung und Einleitung für einen geplanten ArtikelFünf fertige Texte
Performance-MarketingAudit eines bestehenden Kontos mit fünf priorisierten MaßnahmenEigene Kampagne mit Budget aufsetzen

Ein Wort zum Datenschutz: Gib in einer Probeaufgabe keine echten Kundendaten heraus. Sobald ein Externer personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, brauchst du einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Für einen Test ist das zu viel Aufwand. Anonymisierte oder erfundene Testdaten reichen.

Das Briefing: was schriftlich feststehen muss

Ein vages Briefing macht die Ergebnisse unvergleichbar. Dann misst du nicht, wer besser ist, sondern wer besser geraten hat.

Briefing für die Probeaufgabe
  • Ziel in einem Satz: was soll am Ende vorliegen?
  • Material: Zugänge, Dateien, Styleguide, Beispieldaten
  • Zeitlimit in Stunden und Abgabetermin
  • Abgabeformat, z. B. Pull Request, Figma-Link, Google-Doc
  • Abnahmekriterien, an denen du das Ergebnis misst
  • Vergütung: Stundensatz und Obergrenze
  • Nutzungsrechte am Ergebnis, falls du es verwenden willst
  • Ansprechpartner für Rückfragen während der Bearbeitung

Der vorletzte Punkt wird fast immer vergessen. Ohne Vereinbarung bleiben die Rechte beim Freelancer, auch wenn du bezahlt hast. Nach § 31 Abs. 5 UrhG richtet sich der Umfang der Rechte im Zweifel nach dem Vertragszweck, und der lautet bei einer Probe eben „testen“, nicht „veröffentlichen“. Details stehen im Beitrag zu Nutzungsrechten bei Freelancern. Viel Vorarbeit fürs Briefing steckt übrigens schon in einer guten Projektbeschreibung.

Ablauf ohne Leerlauf

Der meiste Ärger bei Probeaufgaben entsteht durch Organisation, nicht durch Fachliches. Bereite Zugänge vor dem Start vor: Kopie des Repositorys, Login für die Testumgebung, Figma-Datei mit Bearbeitungsrechten. Wer die erste Stunde auf Passwörter wartet, verbrennt dein Geld.

Nenn ein Zeitfenster, in dem du für Rückfragen erreichbar bist. Zum Beispiel zwei Stunden am ersten Nachmittag. Dann sei auch da. Deine Antwortgeschwindigkeit beeinflusst das Ergebnis, und du willst Kandidaten vergleichen, nicht deine eigene Verfügbarkeit.

Bezahl innerhalb einer Woche nach Abgabe, egal wie die Entscheidung ausfällt. Wen du heute absagst, passt vielleicht zum nächsten Projekt. Zwei Sätze ehrliches Feedback kosten dich fünf Minuten und hinterlassen einen besseren Eindruck als Funkstille.

Wie du das Ergebnis auswertest

Das Ergebnis selbst ist nur ein Teil. Mindestens genauso aufschlussreich ist der Weg dorthin. Bewerte jeden Punkt von 1 bis 5:

  • Erfüllt das Ergebnis die Abnahmekriterien?
  • Kamen sinnvolle Rückfragen, bevor gearbeitet wurde?
  • Wurde das Zeitlimit eingehalten oder rechtzeitig angesprochen?
  • Gibt es eine kurze Erklärung, was gemacht wurde und was offen ist?
  • Hat der Freelancer Annahmen offengelegt, wo das Briefing Lücken hatte?

Der letzte Punkt unterscheidet oft die Profis. Ein Kandidat, der schreibt „Ich bin davon ausgegangen, dass die API paginiert, das sollten wir prüfen“, wird dir im Projekt viel Ärger ersparen. Diese Punkte fließen direkt in den Bogen ein, mit dem du Freelancer bewerten kannst.

Wann du auf die Probe verzichten kannst

Nicht immer ist sie nötig. Bei einer Empfehlung von jemandem, der mit dem Freelancer schon mehrere Projekte gemacht hat, bringt sie wenig zusätzliche Sicherheit. Bei sehr erfahrenen Beratern wirkt sie mitunter befremdlich. Dann ist eine kurze erste Etappe mit eigenem Abnahmetermin die elegantere Lösung: gleiches Prinzip, anderer Name. Den passenden Rahmen dafür setzt ein ordentlicher Freelancer-Vertrag.

Zeigt die Probe, dass dein Vorhaben deutlich größer ist als gedacht, ist das auch ein Ergebnis. Für umfangreiche Webanwendungen kann ein festes Team wie bei OnlineBuilders passender sein als ein einzelner Freelancer.

Dein nächster Schritt: Such in deinem Backlog eine Aufgabe, die du selbst in einem halben Tag erledigen würdest und deren Ergebnis du genau beurteilen kannst. Schreib dafür das Briefing nach der Checkliste oben und schick es an deine zwei Favoriten.

Schritt für Schritt

  1. Echte Teilaufgabe auswählen Ein abgeschlossenes Stück Arbeit aus dem Projekt wählen, das in zwei bis sechs Stunden machbar ist.
  2. Briefing schreiben Ziel, Material, Zeitlimit, Abgabeformat und Abnahmekriterien schriftlich festhalten.
  3. Vergütung und Rechte vereinbaren Stundensatz, Obergrenze und Nutzungsrechte am Ergebnis per E-Mail bestätigen lassen.
  4. Ergebnis mit Bogen auswerten Ergebnis, Rückfragen, Zeittreue und Dokumentation mit festen Punkten bewerten.

Häufige Fragen

Kann ich eine Probeaufgabe unbezahlt vergeben?

Wenn ihr das ausdrücklich so vereinbart, ja. Gute Freelancer lehnen solche Anfragen aber häufig ab, gerade wenn sie gut ausgelastet sind. Du filterst damit also eher die Falschen heraus.

Darf ich das Ergebnis der Probeaufgabe verwenden?

Nur, wenn du dir die Nutzungsrechte einräumen lässt. Ohne Absprache bleiben die Rechte beim Freelancer, auch wenn du bezahlt hast. Eine Zeile im Auftrag reicht, die den Umfang der Nutzung benennt.

Wie viele Kandidaten sollten eine Probeaufgabe bekommen?

Zwei, höchstens drei. Vorher solltest du mit Portfolio, Referenzen und Gespräch bereits aussortiert haben. Fünf parallele Tests kosten Geld und Zeit für die Auswertung, ohne bessere Entscheidungen zu liefern.

Was, wenn die Probeaufgabe länger dauert als geplant?

Vereinbare eine harte Obergrenze in Stunden. Wer sie erreicht, gibt den Zwischenstand ab und beschreibt, was fehlt. Wie jemand mit dieser Grenze umgeht, ist selbst schon ein Ergebnis.