Fragen an Freelancer: 18 Fragen fürs Erstgespräch
Kurz gesagt
Die wichtigsten Fragen an einen Freelancer zielen auf Verhalten statt Selbstbild: Was würdest du in meinem Projekt zuerst klären? Was war dein Anteil an diesem Referenzprojekt? Was ist im letzten Projekt schiefgelaufen? Wie viele Kunden betreust du parallel? Wem gehören Code oder Entwürfe am Ende? Konkrete Antworten mit Beispielen sind ein gutes Zeichen, glatte Allgemeinplätze nicht.
Die meisten Erstgespräche mit Freelancern verlaufen gleich. Der Auftraggeber erzählt zehn Minuten vom Projekt, der Freelancer zehn Minuten von sich, dann folgen Preis und Termin. Am Ende weiß man, dass man sich sympathisch findet. Ob die Zusammenarbeit funktioniert, weiß man nicht.
Das liegt an den Fragen. „Hast du Erfahrung mit React?“ beantwortet jeder mit Ja. Brauchbar sind Fragen, die nach konkretem Verhalten in der Vergangenheit fragen oder nach einer Einschätzung deines Projekts. Darauf lässt sich schwer eine vorbereitete Antwort geben.
So baust du das Gespräch auf
Plane 45 Minuten und halte dich an eine feste Reihenfolge. Nur so kannst du hinterher mehrere Kandidaten vergleichen.
- 5 Min. Projekt kurz vorstellenZiel, Stand, Termin. Keine Details zur Lösung.
- 10 Min. Fragen des FreelancersBewusst früh: Hier zeigt sich, wie jemand denkt.
- 15 Min. Erfahrung und ArbeitsprobenEin Referenzprojekt im Detail statt fünf im Überblick.
- 10 Min. Arbeitsweise und VerfügbarkeitKommunikation, Kapazität, Urlaub, Vertretung.
- 5 Min. Vertrag und nächste SchritteAbrechnung, Rechte, Probeaufgabe, Termin.
Der zweite Block ist der wichtigste. Gib dem Freelancer früh Raum für eigene Fragen und hör nur zu. Wer nach Zielgruppe, bestehender Technik und Entscheidungswegen fragt, hat deine Projektbeschreibung gelesen und denkt mit.
Fragen zum Projekt
Diese Fragen testen, ob jemand dein Vorhaben versteht oder nur ein Standardpaket verkaufen will.
- Was würdest du als Erstes klären, bevor du anfängst?
- Was fehlt dir in unserer Beschreibung?
- Wo siehst du das größte Risiko für den Termin?
- Was würdest du weglassen, wenn das Budget um ein Drittel sinkt?
Frage 4 ist besonders ergiebig. Gute Freelancer priorisieren sofort und begründen es. Schwächere sagen, das gehe nicht, oder versprechen alles trotzdem.
Fragen zur Erfahrung
Hier geht es nicht um die Länge des Lebenslaufs, sondern um belegbare Arbeit.
- Zeig mir ein Projekt, das unserem ähnlich war. Was genau war dein Teil?
- Was ist in deinem letzten Projekt schiefgelaufen, und was hast du daraus geändert?
- Mit welchem Kunden hat es nicht funktioniert, und warum?
- Welche zwei Personen kann ich als Referenz anrufen?
Bei Frage 6 und 7 achtest du auf die Verteilung der Schuld. Wer nur Fehler bei früheren Kunden findet, wird dich irgendwann genauso beschreiben. Wer einen eigenen Fehler nennt und erklärt, was er seitdem anders macht, ist meist der verlässlichere Partner.
Fragen zu Arbeitsweise und Kapazität
Viele Probleme in Freelance-Projekten sind keine fachlichen, sondern organisatorische. Diese Fragen decken sie vorher auf.
- Wie viele Kunden betreust du gerade parallel?
- Wie oft und in welcher Form bekomme ich Zwischenstände?
- Wie schnell antwortest du normalerweise, und über welchen Kanal?
- Wie erfasst du deine Zeit, und kann ich die Einträge sehen?
- Was passiert, wenn du krank wirst oder Urlaub hast?
- Arbeitest du mit Subunternehmern?
Bei Frage 9 gibt es keine richtige Zahl. Drei Kunden parallel können gut funktionieren, wenn jeder einen festen Tag hat. Problematisch ist die ausweichende Antwort. Frage 14 klingt misstrauisch, ist es aber nicht: Du hast ein Recht zu wissen, wer an deinem Projekt arbeitet und wer Zugriff auf deine Daten bekommt.
Zusatzfragen je nach Fachgebiet
Die Liste oben passt für fast jedes Projekt. Je nach Rolle lohnen sich ein oder zwei Fragen mehr, die nur jemand mit echter Praxis sauber beantworten kann.
Entwickler fragst du, wie sie Code übergeben: mit Tests, Dokumentation, Zugang zum Repository ab Tag eins? Und wer nach Projektende Sicherheitsupdates einspielt. Wer darauf keine Antwort hat, hinterlässt dir womöglich ein System, das niemand pflegen will.
Bei Designern ist die Frage nach Korrekturschleifen ergiebig. Wie viele sind im Preis enthalten, und was gilt als Korrektur statt als neuer Entwurf? Klingt kleinlich. Erspart aber den häufigsten Streit.
Im Marketing fragst du nach der Ausgangslage hinter einer Erfolgszahl. Eine Verdopplung der Klicks bedeutet wenig, wenn das Budget sich verdreifacht hat.
Texter und SEO-Freelancer fragst du, wie sie recherchieren und Fakten prüfen. Und ganz direkt, wofür sie KI-Werkzeuge einsetzen. Beides kann völlig in Ordnung sein. Du solltest es nur vorher wissen, weil es den Preis beeinflusst und wie viel du selbst nachprüfen musst.
Fragen zu Vertrag, Rechten und Daten
Diese Themen werden im Erstgespräch gern übersprungen und später teuer. Kläre sie, bevor du ein Angebot anforderst.
| Frage | Gute Antwort | Warnsignal |
|---|---|---|
| 15. Wie rechnest du ab? | Klares Modell, Obergrenze möglich | „Machen wir dann“ |
| 16. Welche Nutzungsrechte bekomme ich am Ergebnis? | Ausschließliche Rechte für den vereinbarten Zweck, Quellcode inklusive | Rechte nur gegen Aufpreis nach Projektende |
| 17. Brauchst du Zugriff auf personenbezogene Daten? | Nennt Art. 28 DSGVO oder fragt nach einem AV-Vertrag | Kennt das Thema nicht |
| 18. Hast du eine Berufshaftpflicht? | Ja, mit Deckungssumme | Ausweichen |
Zu Frage 16 lohnt sich der Blick in den Beitrag über Nutzungsrechte bei Freelancern. Ohne Regelung bleiben die Rechte beim Urheber, und das gilt auch für bezahlten Code. Frage 17 betrifft jeden, der etwa an einem Shop oder CRM arbeitet: Verarbeitet ein Externer personenbezogene Daten in deinem Auftrag, verlangt Art. 28 DSGVO einen schriftlichen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Fragen, die du nicht stellen solltest
Zwei Gruppen von Fragen haben im Gespräch nichts verloren.
Die erste betrifft Diskriminierung. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt nach § 6 Abs. 3 AGG auch für Selbstständige, soweit es um den Zugang zur Erwerbstätigkeit geht. Fragen nach Alter, Familienplanung, Religion oder Herkunft sind deshalb tabu, auch wenn sie im lockeren Ton gemeint sind.
Die zweite Gruppe ist heikel wegen der Scheinselbstständigkeit. „Kannst du jeden Tag von 9 bis 17 Uhr im Büro sein?“ oder „Würdest du unsere Teamtermine wie ein Mitarbeiter wahrnehmen?“ beschreiben Merkmale einer Anstellung. Frag stattdessen nach Ergebnissen und Terminen. Wann und wo jemand arbeitet, sollte grundsätzlich seine Sache bleiben.
Was du mit den Antworten machst
Schreib direkt nach dem Gespräch zu jeder Frage ein Stichwort und eine Note von 1 bis 5. Nicht am Abend, nicht am nächsten Tag. Nach dem dritten Gespräch verschwimmen die Kandidaten sonst ineinander. Die Noten fließen in den Bogen, mit dem du Freelancer bewerten kannst. Die zwei Besten bekommen eine bezahlte Probeaufgabe.
Stellt sich im Gespräch heraus, dass dein Vorhaben mehrere Rollen braucht, etwa Backend, Frontend und Betrieb, ist ein einzelner Freelancer womöglich die falsche Besetzung. Dann lohnt der Vergleich mit einem Team, wie es etwa OnlineBuilders für Softwareentwicklung stellt.
Dein nächster Schritt: Druck die 18 Fragen aus oder kopier sie in ein Dokument mit einer leeren Spalte für Notizen. Streich die, die für dein Projekt nicht passen, und nimm in jedes Gespräch dieselbe Liste mit.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Erstgespräch mit einem Freelancer dauern?
30 bis 45 Minuten reichen. Länger wird es meist, weil du schon Lösungen besprichst, und die solltest du dir nicht unbezahlt im Kennenlerngespräch holen.
Soll ich die Fragen vorher schicken?
Ein grober Ablauf vorab ist fair und spart Zeit. Die Fragen zu Fehlern und zum eigenen Anteil an Referenzprojekten stellst du besser live, weil die spontane Antwort aufschlussreicher ist.
Darf ich nach dem Alter oder der Familienplanung fragen?
Nein. Das AGG gilt nach § 6 Abs. 3 auch für Selbstständige, soweit es um den Zugang zur Erwerbstätigkeit geht. Solche Fragen haben im Auswahlgespräch nichts verloren und können Entschädigungsansprüche auslösen.
Was, wenn der Freelancer selbst kaum Fragen stellt?
Das ist eines der deutlichsten Warnsignale. Wer ein Projekt ernsthaft einschätzt, braucht Informationen. Fehlende Rückfragen bedeuten meist, dass ein Standardpaket verkauft werden soll.